News & Results Archiv 2001 06/07.07.2001: International Workingtest in Rambouillet bei Paris
 

06/07.07.2001

International Workingtest in Rambouillet bei Paris

"Am 6./7. Juli 2001 organisierte der französische Retriever Klub in Rambouillet bei Paris den Internationalen Working Test für Retriever. Pro Land, respektive pro Retriever Club des jeweiligen Landes dürfen maximal drei Mannschaften als Repräsentanten bestimmt werden; allerdings dürfen weitere Mannschaften als sogenannte "Free Teams" teilnehmen, sofern die Limite von 30 Mannschaften nicht erreicht ist, d.h. es können maximal 90 Hunde/HundeführerInnen-Gespanne teilnehmen. Dieses Jahr hatten nur sechs Länder je drei offizielle Mannschaften entsandt, nämlich Deutschland (welches wie im Vorjahr auch die meisten "Free Teams" stellte), gefolgt von Belgien, Frankreich, Holland, Österreich und der Schweiz (das Dritte der offiziellen Retriever Club Schweiz Teams fiel jedoch kurzfristig aus). Die Nordländer wie Dänemark, Finland und Norwegen waren dieses Jahr nicht vertreten, da Ende September die Europameisterschaft in Schweden stattfindet und die HundeführerInnen wohl dieses nur alle zwei Jahr stattfindende Field Trial (Prüfung mit Lebendwild) einem Dummywettkampf vorziehen.

Béa Loetscher mit "Funnyline Hunting Ken's Purdey" (G/H), Anja Möller mit "Loughbrook Goldcharm of Lafayette" (L/R) und die Schreibende mit "Dakshya vom Tennikerweidli" (L/H) bildeten eines der offiziellen Teams des Retriever Club Schweiz.

Rupert Hill, John Birkett, Alan Thornton, Sam Seall und Peter Castleman, alles hochkarätige englische Richter, stellten und begutachteten die Aufgaben in einem Gelände, das hauptsächlich aus lichtem Mischwald und einer riesigen Lichtung mit Moorboden und Heidekrautbewuchs bestand. Nach der Begrüssung konnte es losgehen. Jede Equipe begab sich an den ihr zugewiesenen Posten.

Wir mussten zuerst Posten 1 anlaufen: die "Line" (Linie). Im Heidekraut mussten die drei Teammitglieder nebeneinander hergehen, die Hunde frei bei Fuss. Links wurde in einer Entfernung von etwa 80m geschossen, ein Dummy flog und der erste Hund musste es holen. Weitermarschieren und das zweite Dummy flog, nun rechts; dann weiter und erneut ein Schuss und Dummy, nun hinter der Linie - und dies bis jeder Hund zweimal apportiert hatte. Der Einstand glückte uns nicht schlecht, wir erhielten zwischen 16 und 19 Punkte.

Wir gingen weiter zu Posten 2, der im Wald war und aus drei ganz verschiedenartigen Aufgaben bestand.Für mich mit Dakshya bedeutete dies: Schuss, es fiel sichtig rechts in nur etwa 25m Entfernung ein Dummy, d.h. eine Markierung, dann ein zweiter Schuss mehr nach links; der Hund durfte die Markierung nicht beachten und musste in 60-70m Distanz einen "Blind", d.h. ein bereits ausgelegtes Dummy holen, erst danach durfte er die Markierung arbeiten. Mein Hund löste die Aufgabe zu meiner Zufriedenheit ohne grössere Probleme, auch wenn sich dies in den erhaltenen Punkten nicht unbedingt wiederspiegelte (14 und 18).


Anja musste mit Boss in völlig anderer Richtung zwei "Blinds" auf einer Linie, d.h. das eine einige Meter hinter dem anderen, arbeiten. Der Hund musste also zwei Mal genau die gleiche Linie laufen. Eigentlich erschien das ganze sehr einfach, denn als Mensch erkannte man eine Schneise im Wald.

Die Hunde schienen dies nicht in derselben Art zu erkennen, trotzdem lief Boss zweimal eine gerade Linie und erhielt dafür 16 und 18 Punkte, wobei uns nicht ganz klar wurde, wo er die Punkte verloren hatte und noch mehr, weshalb die beiden Retrieves so unterschiedlich bewertet wurden.


Für Purdey fiel dann ein Schuss und eine Markierung rechts, dann wieder ein Schuss, und in einem 40 Grad Winkel fiel links eine zweite Markierung. Purdey hatte sehr schlecht markiert und nicht nur Béa zitterte, bis die beiden Dummys "zu Hause" waren, auch Anja und ich schwitzten förmlich Blut, denn wir standen kurz vor einer Nullrunde, die uns entscheidend zurückgeworfen hätte, denn für die Teamwertung werden zuerst jene Teams rangiert, die keine Nullrunde haben.

Auf der einen Seite glücklich, keine Null kassiert zu haben, auf der anderen Seite etwas ernüchtert, schon so früh einen Patzer gemacht zu haben, zogen wir weiter zu Posten 3. Hier wurden im Mischwald geradeaus in etwa 80-100m Distanz drei Dummys ausgeworfen; nur knapp konnte man sie im bis zu 1.20m hohen Adlerfarn durch eine etwa 25m breite Baumreihe hindurch fallen sehen. Genau 90 Grad dazu, im leicht abfallenden Gelände links von den gespannt wartenden Hunden fielen weitere drei Dummys. Nun musste der erste Hund geradeaus geschickt werden, der zweite nach links, der dritte wieder geradeaus usw. bis das sechste Dummy geholt worden war. Klingt sehr einfach, aber auch hier konnte man sich täuschen: wenn der Hund nicht auf einen einzigen Befehl hin bis ins Suchengebiet lief, sondern man ein bis zwei weitere Voranbefehle benötigte, waren die vollen 20 Punkte bereits illusorisch. Schliesslich hatten die Hunde markiert und sollten sich daran erinnern, dass an jenem Punkt etwas gefallen war. "Memory" war also gefragt und unsere Hunde lösten dies ganz beachtlich.

Nun kam Posten 4: vor dem Team ein Kies-Waldweg, links und rechts ein etwa 50cm tiefer, 1m breiter, grasbewachsener Graben. Zwei Hunde mussten ein simples "Voran" machen, um ein Dummy zu holen, welches in etwa 35m Entfernung links in diesem Graben lag; der dritte Hund musste genau 90 Grad auch etwa 40m durch den Wald geschickt werden, um ein Dummy zu suchen, welches im etwa 30cm hohen Waldbewuchs versteckt war.


Ganz einfach:

gerade einem Weg entlang - kein Problem, zumal der zweite Hund dem ersten ja noch zuschauen kann, wo es langgeht, oder?


Bloss, unsere Retriever als echte Suchmaschinen erachten es selbstverständlich nicht als besonders motivierend, einem langweiligen Weg entlang zu laufen - der Wald links und rechts bietet doch viel mehr zum Suchen ... und diese lächerlichen 40m sind natürlich viel zu kurz, auch wenn dahinter buchstäblich eine Wand von dichtestem Gestrüpp ist.

"Voran" und schon ist der Retriever wie ein Geschoss mitten durch das Gestrüpp hindurch ... und sucht ... und sucht ... und sucht ... und der Führer pfeift ... und pfeift ... und pfeift ... kein Hund ... pfeift ... immer noch hört man den Hund irgendwo herumsausen ... Saust er zu lange im falschen Bereich herum und kommt nicht aufs Pfeifen, dankt der Richter für die Bemühungen und schreibt eine Null: "out of control" (ausser Kontrolle) ... Ganz so schlimm kam es dann doch nicht, unsere Hunde gehorchten recht gut, wurden uns doch zweimal 19 und einmal 17 Punkte gutgeschrieben.

Wir waren nach dem ersten Wettkampftag zufrieden, hatten wir doch die vier Aufgaben ohne Nullrunde überstanden.

Der zweite Wettkampftag begann erneut bei schönem Wetter. Gespannt traten die Teams zu ihren letzten Aufgaben an, für uns war das Posten 5: mitten auf einer Kreuzung von drei breiten Waldwegen, dahinter ein Kahlschlag, musste das Team sich aufstellen. Zuerst wurde eine Treibjagd simuliert; auf dem einen Weg kamen die Treiber lärmend und schiessend auf Hunde und Führer zu; dann wurden in einem 45 Grad Winkel, in nur 25m Distanz vor den drei Hunden Dummys geworfen: viele Schüsse und viele Dummys. Ein Dummy fiel etwas weiter links über einen grasbewachsenen Weg und lag hart an der Kante zum dichteren Gebüsch. Dakshya musste einem Weg entlang geschickt werden: mitten auf dem kahlen und festgefahrenen Dreckweg lag für alle Menschen deutlich sichtbar in etwa 50m Entfernung ein hellgrünes Dummy. Aber da der Hund ein Nasentier ist, drifteten viele ab ins Gebüsch - so auch Dakshya! Mit etlichen Pfiffen konnte sie wieder in die richtigen Bahnen und schliesslich zum besagten Dummy geführt werden. Purdey musste die Markierung arbeiten und Boss musste ganz links hinter einem riesigen umgestürzten Baum einen "Blind" holen. Wegen des Windes hätte man den Hund eigentlich vor den Baum schicken müssen, der Hund hätte dann jedoch keine Chance gehabt, durch das tote Geäst und die Reisighaufen hindurch zu kriechen. Also wählten die Hundeführer die Variante, wo sie die Hunde buchstäblich auf das Dummy dirigieren mussten, bis Witterung aufgenommen werden konnte. Schliesslich waren auch diese Dummys bei uns in sicheren Händen.

Offenbar waren es alles sehr schnelle Hunde, denn es blieb ein so grosser Vorsprung auf die Programmzeit, sodass die Richter beschlossen, den Mannschaften noch eine Zusatzaufgabe zu stellen. Alle Hunde mussten ungefähr im gleichen Bereich ein sichtig geworfenes Dummy holen , das in weit über hundert Meter Distanz ins Heidekraut fiel. Glück und Pech waren hier sehr nahe, denn oft fiel das Dummy hinter eines der kleineren Gebüsche oder Birken, was dem Hund die Arbeit erschwerte. Wir legten hier eine ganz gute Leistung hin. Alle drei Hunde zeigten sehr gute Markierfähigkeiten, was auch mit zweimal 19 und einmal 18 Punkten belohnt wurde. Wenn man bedenkt, dass nur vier der 87 Hunde hier die volle Punktzahl 20 ereichten und auch drei Hunde einen Nuller kassierten, war es wirklich eine beachtliche Leistung.

Nun wurde es spannend: Wer würde wohl ins "run off", also ins Stechen für die Einzelwertung kommen? - Von unseren Hunden war keiner dabei, Anja mit Boss klassierte sich als Beste unseres Teams auf dem 16. Platz, ich wurde mit Dakshya 30., etwas weiter zurück lag Béa mit Purdey.

Im "run off" wurde links im Heidekraut in mindestens 120m Entfernung eine "Markierung" geworfen; dann musste der Hund gedreht werden, um einen "Blind" zu holen, der wiederum in über 100m Entfernung hinter einer leichten Bodensenke lag, sodass man den Hund zum Teil überhaupt nicht mehr sehen konnte. Es war sehr spannend, den zehn qualifizierten Hunden zuzuschauen und ich fragte mich, wie sich wohl Dakshya angestellt hätte, wenn ich mit ihr diese Aufgabe hätte lösen müssen.

Rang 1 in der Teamwertung holte sich das österreichische Team mit Captain Robert Kaserer, Rang 2 ging an das Schweizer "Free Team" mit Captain Verena Ommerli und Rang 3 holte sich das deutsche Team mit Captain Leni Niehof. Wir holten als Schweizer Team 2 den 12. Rang von 29 Teams.


In der Einzelwertung siegte Verena Ommerli mit "Conneywarren Spike" (L/R), Zweite wurde Francesca Navratil mit "Agar di Casa Paraporti (Tweed)" (L/R) und Dritter wurde René Cuyvers mit "Unga From Narrow Garden" (G/H).

Resultate im Teamwettkampf

1. Rang: Österreich mit 486 Punkten

Robert Kaserer mit "Buttermead Crusader" (L/R), Helga Strasser mit "Downside Boy" (L/R) und Klaus Thurner mit "A Breeze of Dukefield" (L/R)

2. Rang: Free Team (CH) mit 481 Punkten

Marion Schwaller mit "Haredale Ember Glow" (L/R), Ueli Andres mit "Kenwu Super Jet" (L/H) und Verena Ommerli mit "Conneywarren Spike" (L/R)

3. Rang: Free Team (D) mit 476 Punkten

Leni Niehof mit "Alpha vom Keien Fenn" (L/H), Barbara Blankennagel mit "Dixis Daffodil vom Blanken Nagel" (L/H) und Elfriede Bergmann mit "Zero-Zita vom Keien Fenn" (L/H)

Es war ein erlebnisreiches Wochenende und wir waren danach um viele Erfahrungen reicher. Insbesondere ein weiteres Mal um jene, dass es zwei paar verschiedene Schuhe sind, ob man als "Einzelkämpferin" einen Working Test oder eine Apportierprüfung bestreitet, oder ob man sich mit einem Team der Herausforderung stellt, nicht nur für sich selber, sondern auch für die KollegInnen verantwortlich zu sein. Man ist wohl noch etwas mehr bestrebt, das Beste zu geben, und vor allem ärgert man sich noch viel mehr, wenn etwas nicht so gelaufen ist, wie man es sich vorgestellt hat. In diesem Sinne möchte ich meinen beiden Teammitgliedern herzlich für das tolle Wochenende danken."

Regula Weissmüller mit "Dakshya von Tennikerweidli"

 

 

 

 

 

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