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Centronukläre Myopathie beim Labrador Retriever (CNM)
  Die Myopathie des Labrador Retriever wurde in den USA vor über 25 Jahren erstmals beschrieben und trat seitdem auch in Europa immer wieder vereinzelt unter verschiedenen Bezeichnungen auf. In der Schweiz gab es bereits in den frühen achtziger Jahren einen Wurf mit nachgewiesenermaßen an Myopathie erkrankten Welpen.

In Deutschland fiel 1998 ein Wurf, in dem drei zunächst unauffällige Welpen mit fortschreitenden Alter neben einer generalisierten Leistungsschwäche auch zunehmend Symptome, wie eine verminderte Ausbildung der Muskulatur des Hals-, Brust- und Vorderlaufbereichs, ein unkoordiniertes, "hasenähnlich hüpfendes" Gangbild, welches von Nickbewegungen des Kopfes begleitet wurde, sowie einem aufgekrümmten Rücken, zeigten. Eine Muskelbiopsie, die überwiegend Veränderung des Fasertyps II (Atrophien/ Hypertrophien/ Nekrosen usw.) ergab, erhärtete den Verdacht auf erbliche Labrador Myopathie. Zwei der Welpen mussten später in Folge der Krankheit eingeschläfert werden.
In letzter Zeit hat die Myopathie des Labrador Retriever durch neue europaweit bekannt gewordene Fälle wieder an Aktualität gewonnen. Nach der Entdeckung des Genortes, dessen Mutation die autosomal rezessive hereditäre Myopathie auslöst, gelang einer französischen Forschergruppe der "Alfort School of Veterinary Medicine" 2005 die Entwicklung eines Gentestes. Da die histologische Erscheinungsform der Krankheit durch eine zentrale Lagerung der Muskelzellkerne beschrieben ist und eine ähnliche humane Myopathieform bereits den Namen Centronukleäre Myopathie führte, wurde diese Bezeichnung auch beim Labrador eingeführt. Dies führte zunächst zu einiger Verwirrung, denn der entwickelte Gentest umfasste nur das oben beschriebene Krankheitsbild, welches zuvor auch unter anderen Bezeichnungen, wie HMLR (= Hereditary Myopathy of the Labrador-Retriever), ARMD (= Autosomal Recessive Myopathy), Type II deficiency Myopathy oder Labrador Muscular Myopathy bekannt geworden war. Der Bezeichnungs-Wirrwarr führte zuweilen zur irrtümlichen Meinung, dass mit dem Gentest jede bekannte Myopathie-Form ausgeschlossen werden könne, was allerdings nicht der Fall ist.


Merkmalsträger sind phänotypisch unauffällig, können aber die Erbanlage an ihre Nachkommen weitergeben

Die CNM stellt für junge Hunde eine äußerst schwerwiegende Krankheit dar, die sich i.d.R. zwischen zwei und acht Monaten manifestiert. Typische Symptome sind Hypotonie, generalisierte Muskelschwäche, eine abnormale Haltung und ein steifer Gang. Betroffene Tiere sind nur schwach belastbar und kollabieren schnell, wenn sie Kälte ausgesetzt werden. Unter Belastung tritt Muskelatrophie auf, die teilweise auch die Kopfmuskeln betreffen kann. Die CNM vererbt sich wie die GPRA autosomal rezessiv. Dies bedeutet, dass ein Hund nur dann erkranken kann, wenn er je ein defektes Gen von Vater und Mutter erhalten hat. So genannte Merkmalsträger, d.h. Hunde mit nur einem betroffenen Gen, können zwar selbst nicht erkranken, wohl aber die Erbanlage mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% an ihre Nachkommen weitergeben. Bei der Verpaarung zweier Träger hingegen kommt es zu betroffenen Nachkommen. Mithilfe des heute erhältlichen Gentestes lassen sich durch eine einfache Blutprobe nicht nur weitere Krankheitsfälle ausschließen, sondern er bietet zudem die Möglichkeit für die Zucht wertvolle Merkmalsträger bei vernünftiger Zuchtplanung auch weiterhin einsetzen zu können. So ist es durch gezielte Zucht durchaus möglich, die Erkrankung unter Kontrolle zu bekommen und sukzessive aus der Population zu verdrängen.



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École Véterinaire Alfort


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